Ein nachhaltiges Bauprojekt in eigener Sache

Ein nachhaltiges Bauprojekt in eigener Sache

Was bisher geschah:

Die kleine Hofanlage am Rande von Münster gehörte ursprünglich zum großen Hof Witte in Gelmer. Es war ein „Kötterhof“, auf dem eine Landarbeiterfamilie lebte, die für den Hof Witte arbeitete und zur Selbstversorgung ein wenig Fläche und einen kleinen Stall (das heutige WERKhues!) zur Verfügung gestellt bekam. Nachdem der Dortmund-Ems-Kanal (1892-99) gebaut wurde, wurde auch der kleine Hof verkauft und von den Bewohnern nun als Eigentümer betrieben.

Im zweiten Weltkrieg war die sehr nahe Kanalüberführung KÜ (die Ems fließt hier unterhalb des Kanals) das große Ziel der Bombardierung. Der Hof wurde zerstört, die Bewohner wurden bei der Kartoffelernte auf dem Feld getötet. Nur die Grundmauern vom kleinen Stall blieben.

Das Wohnhaus mit Tenne wurde anschließend an einer etwas anderen Stelle wieder aufgebaut. Anschließend wurde der Hof verkauft und gelangte so in die Hände der Familie Külker, dann Aldejohann. Der verbliebene kleine Stall wurde zu klein… Hier zog das erste Auto und eine kleine Werkstatt ein. Um neuen Platz für Tiere zu bekommen, wurde 1957 – auch damals schon! mit gebrauchten alten Kalksandsteinen, die ganz in der Nähe vor ca. 100 Jahren produziert wurden und nach dem Krieg als Trümmersteine wieder zur Verfügung standen „unsere Scheune“ gebaut. Dort wurden ein paar Schweine, 1 Pferd, Hühner, der Heuwagen und das Korn untergebracht. Ein Holzlager mit Schleppdach durfte auch nicht fehlen.

So ist Dietmar mit seiner Familie (sie bestand zeitweilig aus 8 Personen) auf dieser kleinen idyllischen Hofstelle aufgewachsen und als Tischlermeister schließlich seiner Wege gegangen. Die ältere Generation starb, Dietmar und seine Geschwister zogen aus. Als dann die Tierhaltung von Dietmars Eltern auch aufgegeben wurde, wurde es still im Inselweg. Die Scheune stand nun leer und die Idee der Umnutzung entwickelte sich. Dietmar kündigte seinen Job, suchte sich in der Nähe eine neue Arbeitsstelle und zog wieder zu seinen Eltern, um das Projekt zusammen mit ihnen anzupacken. Schließlich kam auch ich dazu und so leben wir seit 15 Jahren hier an diesem schönen Ort und haben den kleinen Stall zum WERKhues gemacht.

Die Hofstelle ist nun geteilt und zu unserem Grundstück gehört auch das kleine Feld in Richtung Kanal.

Mein Schwiegervater hat diese noch eine ganze Weile bewirtschaftet, allerdings war der Ertrag immer sehr gering, da wir hier extremen Magerboden haben mit viel Sand. Auch gefiel uns nicht das häufige Düngen mit Gülle und Spritzen von verschieden „Mitteln“. Wir entschieden, diese Fläche der Natur wieder zurückzugeben und haben daraus eine „Magerwiese“ gemacht. Seit drei Jahren haben wir nun eine herrliche Fülle an regionalen Pflanzen und hoffen, dass es für möglichst viele Insekten und andere Tiere wieder eine willkommene Heimat wird!

Die Idee:

Vor einiger Zeit haben wir meine Mutter eingeladen, mit ins Haus zu ziehen und Ihr somit Ihren größten Wunsch zu erfüllen, mitten in der Natur zu leben zu können. Da unser Haus aber keine Schlafräume im Erdgeschoss hat, also nicht barrierefrei ist, haben wir entschlossen, das Holzlager umzunutzen und dort barrierefreie und ebenerdige Räume für Sie zu schaffen. Wenn es fertig ist, werden wir uns die Wohnküche teilen, und jeder bekommt seinen eigenen Rückzugsort. Meine Mutter bekommt zudem eine eigene kleine Veranda – direkt mit Blick in die Natur und in Richtung Kanal!

 Als „nicht privilegierte“ Bewohner des Münsteraner Außenbereiches war klar, das der Umbau innerhalb unserer vorhandenen Bauteile erfolgen muß. Also habe ich mich mit meiner jetzt langjährigen Erfahrung als Innenarchitektin im Bereich von Umnutzungen im Außenbereich daran gemacht, die optimale Lösung herauszuarbeiten und den Bauantrag zu stellen. Die Baugenehmigung ist schon lange da, alle vorab nötigen Formalitäten inzwischen auch erledigt. Wir haben uns für die Erstellung eines Energiefahrplan entschieden und werden für einige Einzelmaßnahmen nun Förderungen bekommen. Sogar der Kampfmittelräumdienst war zwischendurch da und hat zwar keine Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg gefunden, dafür aber 5 leer Sauerstoffflaschen in 4 alte Felgen in 4 Meter Tiefe! Die Baubeginnanzeige ist versendet, der „rote Punkt“ hängt im Fenster und der Abriss ist in vollem Gange!

Der Umbau: Zunächst wird eine neue Sohlplatte als Fundament erstellt, auf der dann ein Holzständerwerk mit Pultdach aufgesetzt wird. Eine hinterlüftete Holzfassade, Holzfenster und eine Dachbegrünung werden die Umkleidung des Baus bilden.

Bislang war auf dem Schlappdach ein Teil unserer Photovoltaik installiert. Diese wird jetzt auf die benachbarten Dachflächen montiert, damit die Dachbegrünung wirken kann! Schon vor 15 Jahren hat Dietmar eine Erdwärmepumpe mit Bohrung gebaut – sie läuft einwandfrei und wir sind so froh darüber! Die anfänglich hohe Investition hat sich schon längst rentiert. Und damals war schon sein knapper westfälisch kurzer Kommentar: Ich will nicht von den Russen abhängig sein! Wie wahr…Von Anfang an war uns klar, dass wir so weit wie möglich nachhaltig bauen möchten und vieles selbst machen werden – um Geld zu sparen, aber auch um die verschiedenen Gewerke einmal selbst zu erfahren. Als Innenarchitektin weise ich seit Jahren die Handwerker an, aber selbst lege ich die Hand in der Regel nicht an. Jetzt darf ich auch einmal :-) und Dietmar bringt schon genug Erfahrung und Fähigkeiten durch den Ausbau unseres Hauses mit.

Auch versuchen wir, möglichst viel bereits einmal verwendete Baumaterialien wieder einzusetzen – und die zwingend neuen notwendigen Materialien möglichst ökologisch auszuwählen. Das klappt leider noch nicht in allen Punkten, aber bei jedem Detail sprechen wir darüber und dadurch entstehen immer wieder neue Ideen.

Hier ein paar Beispiele:

  • Die gleichen alten Kalksandsteine, aus denen unser Haus 1957 gebaut wurde, sind mir auf einer Baustelle in der Nähe wieder begegnet. Es wurden 100 Jahre alte Wände abgerissen, um „Licht“ in ein altes Bauernhaus zu bringen. Die Steine sollten entsorgt werden; nun stehen sie bei uns bereit zum Wiederverwenden für unser Sockelverkleidung unterhalb der Holzfassade (als Spritzwasserschutz).
  • Eine Freundin hat uns ein paar alte Fensterflügel mit buntem Glas geschenkt – ursprünglich als Fenster in Haus aus den 60ern eingebaut, jetzt natürlich als Einfachverglasung nicht mehr sinnvoll -. Wir werden daraus die Fronten eines Badschrankes machen – Die farbigen Gläser passen wunderbar zu dem Farbspektrum, das sich meine Mutter in ihrem neuen kleinen Bad gewünscht hat!
  • Wir waren auf dem Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt und haben dort Solnhofner Fliesen gefunden. Diese werden eingesetzt als feuerfester Bodenbelag unterhalb des neuen kleinen Kamins.
  • Die Sparren des bisherigen Holzlagers sind bislang sogenannte DOKA-Träger gewesen. Diese Träger bildeten ursprünglich die Unterkonstruktion der „Philosophenplattform“ hinterm Schloss als Teil der Skulpturenausstellung 1997. Dietmar hat diese damals als Geselle abbauen und mitnehmen dürfen nach der Ausstellung. Ein Teil der Sparren werden wir noch einmal aufarbeiten und weiterhin als Sparren für das Carport nutzen.
  • Zurzeit sind wir noch auf der Suche nach alten Zimmertüren mit Glasausschnitten. Diese wird Dietmar auch aufarbeiten und mit neuen Zargen zusammen einsetzen an den Stellen, wo Schallschutz nicht nötig ist und die Holzelemente der bisherigen Konstruktion, die jetzt nicht mehr benötigt werden, werden auch wieder Verwendung finden – vielleicht als schönes Stück fürs WERKhues!

Im Bereich der Abdichtung von Boden und Dachbegrünung können wir leider nicht darauf verzichten, konventionell abzudichten und zu dämmen. Die derzeitig möglichen baubiologischen Lösungen sind noch nicht ausgereift oder /und zu teuer. Aber bei den Wänden freuen wir uns schon darauf, mit dem Lehmbausystem der Firma Conluto zu arbeiten, und anschließend die Wände mit einer Cellulosedämmung zu füllen! Als Bodenbelag bekommen die Räume Parkett und Terrazzo. Unser Haus liegt ca. 30cm höher als das Gelände drum herum. Um meiner Mutter einen stufenlosen Zugang zu ermöglichen, werden wir den Bereich um das Carport als Rampe ausbilden und höher setzen, das heißt, es stehen auch noch Pflasterarbeiten an! Auch hier werden wir uns noch auf die Suche nach gebrauchten Pflastersteinen machen. Wahrscheinlich werden es kleine Granitblöcke sein.

Eine Auflage vom Bauamt hatten wir doch noch bekommen: Die Auflagen für das Vorhalten von Löschwasser sind in den letzten Jahren verschärft worden. Egal wie klein eine Baumaßnahme (mit Bauantrag) ist; es nun zwingend erforderlich im nächsten Umfeld für die Erstversorgung genügend (sauberes und nicht gefrorenes) Wasser vorzuhalten. Auch wenn wir in unmittelbarer Nähe des Kanals liegen, das reicht nun nicht mehr aus. Wir liegen zwar direkt im Wasserschutzgebiet, aus dem bislang die Stadt Münster das Trinkwasser bezogen hat, wir sind aber selbst nicht ans Trinkwassernetz angeschlossen, so dass es hier auch keine Hydranten gibt. Unser Trinkwasser bekommen wir über unseren eigenen Brunnen, gereinigt wird dieses mit einer üblichen Enteisungsanlage. Das reicht zum Löschen nicht. Zwei Möglichkeiten gab es - entweder einen Plastik- oder Stahltank im Gelände versenken als unterirdisches Wasserreservoir – oder aber einen Löschteich. Ein Löschteich ist nun wirklich optisch nicht schön und Plastik oder Stahl wollen wir auch nicht im Erdreich verbuddeln, auch die Kosten sind nicht unerheblich für so einen Tank oder betonierten Löschteich. In Gesprächen mit dem Bauamt und der Feuerwehr wurde uns schließlich erlaubt, einen „naturnahen Teich“ zu bauen, der keinen „Anschlussstutzen“ benötigt. Er muss eine ständige Zugänglichkeit für die Feuerwehr und immer ausreichend Wasser gewährleisten. Wie schön! Mein Traum wird wahr! Nun können wir in unserer Magerweise den Arten auch noch eine Wasserstelle bieten – Naturschutz direkt vor unserem Fenster! Das Teichprojekt werden wir im Anschluss an den Umbau direkt angehen und freuen uns jetzt schon darauf!

Jane Aldejohann 

 

 

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